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Obama in Montana

14. August 2009, 10.00 Uhr.
Ich stehe mit anderen Obama Anhängern auf einem Feld an der Landstraβe beim  Flughafen mit einem groβen Schild, auf dem steht "Reform Health Care Now." Obama wird gegen 13.00 Uhr erwartet, er wird in einem Hangar ein öffentliches Forum über seine Gesundheitsreform halten. 700 Karten wurden gestern morgen im Rathaus vergeben, aber man musste entweder schon in der Nacht oder im Morgentau anstehen um eine zu ergattern. Dafür versammeln wir uns jetzt hier an der Zufahrtsstraβe und demonstrieren unsere Unterstützung. Hinter unserer Gruppe steht die Opposition samt beschildertem Feuerwehrauto, die "Bozeman Tea Party." Der Name bezieht sich auf die "Boston Tea Party" von 1773, eine Rebellion der Kolonisten gegen die britische Teesteuer, die in der Folge zum Unabhängigkeitskrieg führte. Obamas Vorschlag einer öffentlichen Alternative zum privaten Krankenversicherungssystem wird von denen als sozialistische Machtergreifung verkauft, die sie mit einer sogenannten "Revolution" verhindern wollen.
11.00 Uhr. Es versammeln sich immer mehr Anhänger und Gegner, wir mussten zwischenzeitig ein Stück weiter die Landstraβe hinaufziehen, da die Tea Party Leute die Ecke vorher reserviert hatten. Die Polizei gibt sich dabei freundlich, bittet uns höflich zur Seite zu gehen, sie hätten genug zu tun und keine Lust, Leute abzuschleppen. Wir sind dementsprechend respektvoll und ziehen unter dem Gejohle der Tea Party ein paar hundert Meter weiter nach links. Die Autoschlangen aus beiden Richtungen werden immer länger und kommen immer wieder vollständig ins Stocken. Viele der Autos hupen oder geben uns Daumen nach oben Zeichen. Mehrere Armeehubschrauber kreisen, die Parolen werden lauter wie "He he, ho ho, the status quo has got to go" oder "What do you want? Health Care! When do you want it? Now!" 
Mittlerweile baut die Tea Party groβe Lautsprecher auf dem Dach des Feuerwehrautos auf.
12.00 Uhr. Die Tea Party Leute haben ein paar Sprecher organisiert, die oben auf dem Feuerwehrauto ihr Gift verbreiten. Die Reden halten sich fest an zwei Strategien: entweder persönliche Attacken gegen Obama und seine Anhänger als unamerikanische Sozialisten oder sie verbreiten Lügen. Obamas Gesundheitsreform führe dazu, dass der Staat das Leben seiner Bürger von vor der Geburt bis zum Tod bestimmen kann, man könne seine Ӓrzte nicht mehr selbst aussuchen, Abtreibung und Euthanasie würden von Beamten angeordnet, und geistige Blüten wie: "Wenn man jetzt schon mal auf einen Arzttermin warten muss, wie wird das erst, wenn die 46 Millionen Unversichten auch zum Arzt gehen können...."  Die Tea Party Schilder sind auf dem gleichen Niveau, z.B. 'Obama lies, granny dies' (Obama lügt, Oma muss sterben) oder Obama (Totenkopf)-Care. Bei der Tea Party überall US Flaggen. Bei uns viele Frauen, ältere Leute, eine buntere Mischung, die Schilder sind alle sachlich, ich sehe kein einziges mit Beschimpfungen. Wir rufen weiterhin dieselben Parolen.   
Kurz vor 13.00 Uhr. Wir schauen schon die ganze Zeit nach oben, Air Force One müsste doch schon zu sehen sein. Endlich erkennt man im Westen ein groβes Flugzeug beim Landeanflug. Anscheinend sind sie aus Sicherheitsgründen einen ganz groβen Bogen um Bozeman und besonders um diese Ansammlung geflogen. Je näher die Maschine kommt, umso lauter wird das Gejohle. Ich rufe laut "der gröβte Präsident aller Zeiten". Hinter mir höre ich den Kommentar "für Schnorrer." Ich drehe mich um und entgegne einer Frau meines Alters ein paar passende Worte. Bei der Zufahrt zum Hangar kommt Air Force One voll in den Blick, die Menge ruft "Obama Obama" im Sprechgesang. Das hat schon was, dieses tolle Machtsymbol auf unserem kleinen Flughafen mit den Bridger Mountains im Hintergrund.
Kurz nach der Landung entscheiden wir uns gleich abzufahren um dem unvermeidlichen Verkehrschaos zuvorzukommen. Nach einiger Sucherei finden wir das Auto, und fahren eine Weile auf dem zugestellten Feld herum bis wir eine Ausfahrt finden. Der Polizist sagt, eigentlich sei die Straβe noch gesperrt, aber es sei wohl sinnvoller schon mal ein paar Leute wegfahren zu lassen. Wir fahren durch die Polizeisperre an der Abzweigung und dann Richtung Belgrade, die andere Richtung ist total zu. Kaum sind wir unterwegs, donnert es gewaltig und es fängt fürchterlich an zu hageln. Im Radio beginnt die Übertragung der Veranstaltung. Unser Senator Baucus spricht, dann eine junge Frau die mit ihrem Krebsleiden die Versicherungsmisere am eigenen Leib erfahren hat. Dann kommt Obama—groβer Applaus, Jubel, Pfeifen, bis Obama sich bedankt und die Leute bittet Platz zu nehmen. Selbst im Radio spürt man die freudige, energiegeladene Athmosphäre. Ich bin erleichtert dass Obamas Anhänger die Mehrheit bilden.
Obama sagt er freue sich, wieder in Bozeman zu sein (war während des Wahlkampfs schon einmal da) und sagt, wir hätten hier ja Bären, Bisons und Elche, während es in Washington leider nur eine Menge Bull (Bockmist) gäbe. Dann spricht er überzeugend von der Notwendigkeit einer Gesundheitsreform im Rahmen des wirtschaftlichen Wiedersufbaus.
Wir fahren mittlerweile im zähflüssigen Verkehr durch Belgrade. Obama sagte gerade etwas vom Wetter und dass Michelle und die Töchter eigentlich Whitewater-Rrafting machen wollten. Hinter uns plötzlich Blaulicht, ich fahre an die Seite und lasse einen langen Konvoi mit mehreren schwarzen, Secret Service Geländewagen an uns vorbeisausen—bestimmt Michelle und die Kinder auf dem Weg zum Gallatin Canyon.
Bei Obamas Bürgerversammlung beginnt jetzt der Frage- und Antwortteil. Obama sagt jeder kann sich melden, und er ruft einfach Leute im "girl-boy-girl-boy" Rythmus auf, "damit er keinen Ӓrger bekommt." Alles gute Fragen und Antworten. Jetzt ist eine Frau im hellblauen Hemd an der Reihe. Stellt sich herraus es ist unsere Mieterin, eine alleinerziehende Mutter mit schwerstbehindertem Kind. Obama bezeichnet sie als "heldenhafte Mutter" und erklärt ihr, dass ihre staatlich Krankenversicherung weiterhin gewährleistet sein wird, dass aber die Diagnose- und Behandlungsmethoden der verschiedenen Ӓrzte und Kliniken besser aufeinander abgestimmt werden sollen. Ich freue mich für sie, Obamas Kompliment und Ermutigung bedeutet ihr sicher sehr viel. Dann ruft Obama jemanden mit Cowboyhut auf, weil er ja schlieβlich in Montana ist.  Der Mann ist gegen die Reform, weil er keine neue Steuern will. Ich hoffe, dass Obamas Antwort ihm und den anderen Skeptikern wenigstens etwas zu denken gibt--nur ein Drittel der Kosten soll durch Steuererhöhungen für Groβverdiener über $250000 im Jahr gedeckt werden, während die ersten zwei Drittel durch systemimmanente Einsparungen reinkommen sollen. Die letzte Aufgerufene zitiert die einleitenden Sätze der Verfassung von Montana. Die Übertragung endet, wir fahren nach Hause, sind noch ganz hin und weg..

 

Reform healthcare now

Obama in Montana

August 14, 2009,
10.00 am.
We (other Obama supporters and I) are standing at the edge of a field near Gallatin Field Airport and are holding up signs that say "reform Health Care Now" to the cars that are going to Obama's town hall meeting in Belgrade. He is expected to arrive at around 1 pm. Yesterday morning, 700 tickets were handed out at city hall, but you had to camp out all night or show up at the crack of dawn to get one. So we are here on this field along Airport Road to show our support. Behind us is the opposition equipped with a fire truck, the "Bozeman Tea Party." The name refers to the Boston Tea Party, a rebellion in 1773 against Britsh tea taxes that began the American Revolutionary War against Britain. Obama's proposition of a public alternative to private health insurance is seen by them as a socialist take-over that they are trying to counter with their "revolution." 
11.00 am. More and more supporters and opponents are gathering. In the meantime, we had to move down a few hundred yards, since the Tea Party had reserved the spot beforehand. The police is friendly in their demeanor, asking us politely to move, saying that they have enough work to do and were not in the mood to drag anybody away. We are respectful as well and walk further to the left while the Tea Party is cheering and hollering. The lines of cars from both direction are getting longer and longer, often coming to a complete stop. Many cars honk or give us a thumbs-up. Above us, three army helicopters are circling the whole time, our chants of "hey hey, ho ho, the status quo has got to go " and "what do you want? Health care! When do you want it? Now!" are getting louder. Meanwhile, the Tea Party are setting up big speakers on top of the fire- truck.
12.00 pm. The Tea Party has come up with a few speakers, who stand on top of the truck to spread their wisdom. The speakers stick to two strategies: personal attacks against Obama and us supporters as un-American socialists, or the spreading of lies. Obama's health reform would give the government control over the citizens from pre-birth to death, one would not be able to choose one's doctors, abortion and euthanasia would be ordered by burocrats, and brilliant arguments such as: "If we already sometimes have to wait a while for a doctor's appointment, imagine what it's going to be like if 46 million people more could go to the doctor..."  The Tea Party signs are on the same level, e.g. "Obama lies, granny dies"' or Obama (skull)-Care. They have draped everything in American flags. On our side, there are many women, older people, altogether a more colorful mix, the signs all address the issue, I don't see a single one that insults the opposition. We keep chanting our slogans.  
Almost 1:00 pm. We keep looking up at the sky, Air Force One should be coming into view any second. Finally we see a large plane on its landing approach from the west. Apparently they flew a huge circle avoiding Bozeman and esp. this gathering for security reasons. As the plane approaches, people begin to cheer. I yell "the greatest president ever". Behind me, someone says "for moochers." I turn around and tell the woman around my age "No, we can take care of ourselves just fine. And of each other." As Air Force One taxies into view, the crowd chants "Obama Obama."  It sure had something, seeing this awesome symbol of power at our small airport with the Bridger Mountains in the background.
Shortly after the plane stopped at the big hangar where the meeting was going to be held, we decided to leave to beat the traffic. After a bit of searching we find the car, drive around a while through rows and rows of haphazardly parked cars until we find an exit. The cop tells us that the road is still supposed to be closed but he thinks it would be a better idea to let a few people leave early. We pass the security checkpoint and turn towards Belgrade, the other direction has impossible traffic. We are barely moving when we hear a huge thunderburst and it begins to hail. We turn on the radio for the broadcast of the town hall meeting. Our Senator Baucus speaks followed by a woman who describes her harrowing experiences with health insurance companies during two bouts of cancer. Here comes Obama—huge applause, cheering, whistling, until Obama says thank you and asks the crowd to sit down. Even through the radio, the enthusiasm and energy of the crowd is palpable. I am much relieved that Obama supporters seem to be in the majority.
Obama says he is happy to be back in Bozeman (he was here once before during his campaign) and tells us that we are fortunate to have bears, elk and bison while in Washington they have a lot of bull. Then he gives an inspiring speech about the need for health reform in the context of the economic recovery.
By now we are stuck in slow traffic through Belgrade. Obama mentions the rain and tells that Michelle and the kids were on their way to go whitewater rafting. Suddenly, I notice lights flashing behind us, I pull over and a long convoi with sveral secret service SUV's swoosh by—probably Michell and the kids on their way to Gallatin Canyon.
At the town hall meeting, Obama is now taking questions. Anybaody can raise their hand, and Obama will call people in 'girl-boy-girl-boy' sequence so that he doesn't "get in trouble." All the questions are good and articulate, his answers highly informed and eloquent. Now he calls on a woman in a blue shirt. It turns out to be a renter of ours, a single mom with a severely disabled child. Obama calles her a "heroic mom" and reassures her that she will continue to be covered by Medicaid, although the diagnosis and treatment methods of the various doctors and hospitals should become more streamlined and efficient. I am happy for her, I am sure that Obama's compliment and encouragement mean a lot to her. Then Obama picks a man in a coyboy hat, after all, he is in Montana. The cowboy opposes the reform because he does not want any new taxes. I hope, Obama's answer will make him and other sceptics reconsider: only a third of the costs will be met by raising taxes on the very wealthy (with incomes above $250000 a year), the other two thirds will be raised by cutting out various inefficiencies. The last person to be called up quotes the introductory sentences of the Montana constitution.
The broadcast ends, we drive home, inspired and with joy in our hearts.

  

 

Airforce One in Belgrade:

http://www.youtube.com/watch?v=cfwHJQuCATQ

Here is some great footage of the townhall meeting in Bozeman/Belgrade:

http://www.thedailyshow.com/watch/mon-august-17-2009/heal-or-no-heal---medicine-brawl