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Sport Montana-style

oder: der Löwe ist los

Fangen wir gemächlich an, heute mit einem spritzigen Spaziergang zum Briefkasten. Der ist genau eine Meile bzw. 1,6 km vom Haus entfernt, dabei mit nicht unbeträchtlichem Höhenunterschied.  Ich ziehe Jogginghose und Wanderschuhe an, nehme einen grossen Beutel mit worin ich das Kilo junkmail nach Hause abtransportieren kann, stecke meine Digikamera in die Tasche damit ich schnell noch ein Foto machen kann falls mir ein Puma begegnet, und ziehe los. Nach den ersten 5 Minuten tut es richtig gut. Die Grillen zirpen, der Wind säuselt angenehm, hier und da hopst ein Reh auf Sprungfederbeinen davon. dew with twin bambis

Den Berg 'runter Richtung Landstrasse geht's sowieso immer leicht. Nach etwa 20 Minuten komm ich den letzten steilen Hügel zur Landstrasse hinunter, wo die staubigen und kreuz und quer halbwegs befestigten Briefkaesten in einer Reihe stehen. Gegenüber auf der Weide sehe ich in einiger Entfernung einen kleinen Menschenauflauf.
Was ist denn hier....ach so, unser Nachbar Troy hat mal wieder eine Horde "Natur"-fotografen da, die ihn dafür bezahlen, seine (mehr oder weniger) gezähmten Wildtiere in einer gestellten Wildniszene zu knipsen. Welches Tier ist denn heute dran? Frage ich mich noch ganz unbekümmert, und dann sehe ich es. Ein riesiger afrikanischer Löwe kommt in vollem Galopp auf mich zu gerast, zwischen ihm und mir nur ein lachhafter kleiner Zaun. Seine Mähne erschüttert dramatisch bei jedem Abstoss seiner Riesenpfoten von der Erde. Ich sehe noch Troy und seinen Assistenten losrennen und irgendwas brüllen, dann schiesst das Adrenalin in meine Adern und mein ganzes Leben läuft in einer Sekunde vor mir ab wie an einem zeitgerafften Diaabend. Der Löwe verlangsamt sein Tempo, er und ich schauen uns in die Augen, irgendein schüchterner oh- Laut kommt aus meinem Mund, ich lasse die Post fallen, dann bleibt er plötzlich stehen, die Mähne legt sich majestätisch um seinen Herrscherkopf, er dreht sich zu seinen Dompteuren um und schlendert wieder zurück so wie Löwenmännchen das halt gern tun, sein Schwanzquast bei jedem Schritt sachte wippend. Troy ruft noch irgendwas von wegen "sorry, das war nicht eingeplant", dann komme ich wieder so langsam zu Bewusstsein.

African lion and trainer

Ich hebe die Post auf und stecke sie in Zeitlupe in die Tüte. Meine Arme und Beine sind schwer wie Blei, dann fangen sie an zu kribbeln. Schritt für Schritt mache ich mich auf den Rückweg. Ach ja, noch ein Foto machen sage ich mir. Gesagt, getan. Nach ein paar Minuten steigt eine unglaubliche Energie in mir auf. Ich fange an zu joggen. Ich merke, wie ich immer schneller laufe ohne ausser Atem zu geraten. Die steile Auffahrt zum Haus lege ich zurueck wie eine Gazelle. Etwa 10 Meter vor der Haustür werden meine Knie weich und ich muss mich auf den Boden setzten. Irgendwie schafft es mein Gehirn, sich von meinem geschundenen Körper abzusondern und darüberzuschweben, schaut auf ihn runter wie eine genervte Mutter auf ihr Kind und sagt: "Das hätte schiefgehen können!" Ich danke meinem Gehirn für den aufschlussreichen Kommentar und quäle mich wieder in eine aufrechte Stellung. Dann geh ich rein, dusche, und mach mir einen schoenen Teller Käsenudeln. Mein Gehirn schwelgt danach in Glückshormonen und sagt mir: "Schreib das besser auf, denn das glaubt dir sonst kein Mensch."     

Exercise Montana-style or: The lion is loose

Let's start nice and casual, today we go on a brisk walk to the mailbox. It is exactly one mile from the house, on a county road, and there are some serious hills. I put on my jogging pants and hiking boots, grab a big bag for transporting the usual kilo of junk mail, and put my digital camera in my pocket so that I still have a chance to quickly take a picture in case I run into a mountain lion. After the first five minutes, I feel great. The crickets are chirping, a slight wind rustles through the grass, here and there a mule deer bounces by on its coil-spring legs. It’s especially easy downhill towards the county road. After about 20 minutes, I come around the last steep bend to where the mailboxes stand in a ramshackle row.

mailboxes

On the pasture across the road I see a group of people. What the heck is going on…oh, I see, it's our neighbor Troy and a bunch of "nature" photographers who pay him to take pictures of his (more or less) tamed wild animals in staged wilderness scenes. I wonder which animal he's got out today, I gaily think to myself, and then I see it. It's a gigantic African lion! Wow, what a majestic animal, I think, but then it begins to dawn on me that he is racing towards me in a full gallop. The only separation between him and me is a ridiculously little fence—this could get ugly! His mane shakes mightily each time his huge paws bounce off the ground. In a flash I see Troy and his assistant running and screaming, then the adrenalin shoots into my veins and I am waiting for the moment when my whole life will pass in front of my eyes like in a fast-motion slide-show. As the lion approaches the wimpy fence, he slows his pace, he and I look each other in the eyes, a feeble moan comes out of my throat, I drop the mail, the lion stops, his mane falls beautifully around his regal head, he turns slowly toward his trainers and saunters off, like male lions like to do, the tassel of his tail swaying with each step. I hear Troy yelling something about "sorry, …not part of the plan" and I begin to regain consciousness.
I pick up the mail and put it into the bag in slow motion. My arms and legs are tingling. Step by step I begin to walk back. After a few minutes, I experience an incredible burst of energy. I start to jog. I feel myself running faster and faster without losing my breath. I leap up the steep hill to my house like a gazelle. About 10 m in front of the door my knees turn to jello and I have to sit down on the ground. Somehow my brain manages to separate itself from my body and hovers above, looks down at it like a nerve-wrecked mother on her child and says: "That could've ended badly." I thank my brain for its insightful comment and struggle into an upright position. I go inside, take a shower, and fix us a nice bowl of macaroni and cheese. After that, my brain is glowing with happy hormones and says: "you better write that down, or nobody is going to believe you."

lion sticking out his tongue