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Wieder mal über den grossen Teich.

Muede macht es schon, der lange Flug, der Duesenlaerm, das erstaunlich lange, platzangstgeladene Warten vor dem Aussteigen—alle wollen raus, trotzdem zieht es sich wie Kaugummi—die Schlange an der Passkontrolle, das stundenlange Herumhaengen am Flugsteig vor dem naechsten Flug, das unbequeme Doesen, die lauten Durchsagen, Turbulenzen und Uebelkeit, landen, das nervoese Warten am Gepaeckband, dann endlich die Fahrt nach Hause. Immer wieder erstaunt es mich, wie stark man doch auf den Umgebungswechsel reagiert, selbst wenn man schon jahrzehntelang regelmaessig hin und her gereist ist und sich an beiden Orten zuhause fuehlt. Das macht die Sache sogar noch etwas spannend—bin immer wieder neugierig darauf, wie ich Amerika und die Amerikaner empfinde, wenn ich herreise, und wie mir die Europaer und speziell die Deutschen erscheinen, wenn ich hinreise.
In beiden Richtungen erlebe ich das Gefuehl des Wiedererkennens alter Vertrautheit, also ein Nachhausekommen, aber auf sehr unterschiedliche Weise:
In Deutschland beeindruckt mich sofort die systematische Sorgfalt und Gründlichkeit, die sich in allem widerspiegelt. Die Häuser wirken so beständig als wären sie schon immer dagewesen und werden ewig weiter da stehen. Alle Autos sind neu, sauber und rostfrei und sausen konzentriert von Spur zu Spur. Die Leute sind gut gekleidet und unauffällig in ihren Körpermaβen. Die Reaktion darauf ist ein Gefuehl des Eingebundenseins in ein riesiges System, allein schon durch die Wahrnehmung der Infrastruktur mit ihrem differenzierten Zusammenspiel der Verkehrsteilnehmer, dann die komplizierten Stadtlandschaften, die kultivierte Natur und der Eindruck, dass jeder Quadratmeter eine feste Funktion hat, jeder Mensch eine Aufgabe, jeder Weg ein Ziel. Emotional ist meine Reaktion auf so viel Effizienz gemischt. Positiv ist das Gefuehl der Sicherheit und Geborgenheit im grossen erfolgreichen Rudel. Doch leicht bedrohlich ist das Gefuehl des Verschlucktwerdens in einer nicht besonders freundlich gesinnten, statusorientierten Massengesellschaft.
Nach der ersten Wiedersehensfreude in der Familie geht die Zweigleisigkeit weiter, der Genuss hoeherer Qualitaet auf kleinerem Massstab (das Essen, der gruene Garten, die milde Luft) geht einher mit einem gewissen Verlust persoenlicher Freiheit, meine Zeit gehoert nur noch bedingt mir und wird sofort in den regelmaessigen Ablauf vielschichtiger Konventionen eingebunden. Immer mehr verblueffend erscheint mir der klare Unterschied zwischen dem privaten Bereich zuhause mit der Familie und dem offentlichen Bereich, sobald man die Haustuer hinter sich zumacht. Man zieht sich anders an, der Gang veraendert sich, Augenkontakt wird gemieten.
Wenn es nicht gerade ein heisser Sommertag ist, traegt man irgendeine Jacke oder einen Blazer, als Schutzhuelle. Eine Tasche sollte auch nicht fehlen, die signalisiert dass man sich fuer die Aussenwelt gewappnet hat. Es macht mir mittlerweile grossen Spass, diese Spielregeln irgendwie zu verletzen. Meistens schaffe ich es, meinen Gang und meine Gestik auch in der Oeffentlichkeit entspannt und locker zu lassen, aber das gelingt nur durch ganz bewusstes koerperliches und geistiges Umschalten. Anstatt zum Beispiel beim Jogging an der roten Ampel ungeduldig auf der Stelle zu laufen (offizielles Jogger Gehabe), leg ich auch mal die Haende auf die Hueften, streck mich und schau den glotzenden Autofahrern oder Fussgaengern frech ins Gesicht. Das tut gut.
Aber trotz all meiner Bemuehungen meine lockere Autonomie zu behalten, nach einiger Zeit kommt doch wieder ein unterschwelliger Frust auf: das altbekannte Gefuehl einer vagen, undefinierbaren Unzulaenglichkeit. Liegt es an mir, oder sind es die Blicke? Liegt es daran, dass ich mich nicht so besonders um meine Frisur kuemmere? Einfach Haare waschen und trocknen lassen ist meine Methode, Anstrengungen darueberhinaus werden nur bei besonderen Anlaessen unternommen. Oder reagiere ich einfach nur genervt auf die Bevoelkerungsdichte? Schliesslich hat Montana bei in etwa gleicher Flaeche wie Deutschland nur 1/100 der Bevoelkerung, kleiner Unterschied.... Oder kriechen mich uralte Minderwertigkeitskomplexe wieder an? Wer weiss, woran es liegt, jedenfalls find ich mich ploetzlich wieder in der Defensive, so wie als Teenager. So jung wollt ich eigentlich doch nicht bleiben...au weia!
Doch sind diese komischen, rein subjektiven Anwandlungen lächerlich unbedeutend in Anbetracht der familiären Geborgenheit, der wertvollen Freundschaften, der interessanten Gespräche und Erlebnisse mit Bekannten und einfach der Riesenmenge Spaβ, die mir dort zuteil wird. Und so geht's weiter, ein stetiges Hin und Her zwischen Freude, bewusster Selbstbehauptung und beklommenen Selbstzweifeln.
Und wie laeuft's in die andere Richtung?

 

Across the big pond again.

It sure makes you tired, the long flight, the hum of the jet engines, the implausibly long, claustrophobic wait to deplane—everybody wants to get out but the crowd moves slower than molasses—the line at the passport check, the hours of hanging around the connecting gate, uncomfortably dosing, loud announcements, turbulence and nausea, landing, the nervous wait at the luggage belt, finally the drive home.

It always surprises me how strongly I react to the change of environment, even after decades of travelling back and forth and feeling at home in both places. In fact, that is precisely what makes it interesting—each time I am curious about how I will perceive America and the Americans when I come back and how I will perceive the Europeans and particularly the Germans when I go there.

In both directions, I recognize an old familiarity or a feeling of coming home, but it plays itself out very differently. In Germany I am struck by the systematic care and thoroughness that is reflected in everything. The buildings seem so solid as if they had always been there and will stay there forever. The cars all seem new, clean and free from rust or dents, wizzing from lane to lane like in a video game. The people are well dressed and inconspicuous in their body sizes. I immediately feel myself becoming a part of a huge system, simply by noticing the sophisticated infrastructure with its efficient interplay of all parts, the complex cityscapes, cultivated nature and the impression that every square meter serves a purpose, every destination has a goal, every person a meaningful task. My emotional reaction is mixed. On the positive side is the feeling of security in belonging to a big herd. On the negative side is the feeling of being swallowed up in a not terribly friendly, status-driven mass society.

After the happy reunion with the family, the two-tiered reaction continues: the enjoyment of higher quality on a smaller scale (the food, the green garden, the mild air) goes hand in hand with a certain loss of personal freedom, my time is no longer entirely mine and is immediately tied into the regular course of multi-layered conventions.

I am astonished at the clear distinction between the private realm at home and the public realm that starts as soon as you shut the front door behind you. People dress differently, walk differently, avoid eye contact and check each other out through sideway glances.

Unless it is a hot summer day, you wear a jacket or blazer as a protective shell. A bag is usually carried as well to signal that you've armed yourself against the outside world. The rebel in me enjoys not to follow these rules. I try to maintain a casual and relaxed demeanor in public although this requires a conscious effort. When I'm jogging and have to wait at a red light, for instance, I no longer impatiently run in one place (official jogger behavior) but place my hands on my hips, stretch, and boldly return the stares of the drivers and pedestrians. That feels good. 

And yet, despite of all my efforts to maintain my casual autonomy, a subtle frustration never fails to come up after a while: the familiar feeling of a vague inadequacy. Is it me or is it the glances of the others? Is it because I don't bother much with my hair? I just wash it and let it dry in the air, efforts beyond that are reserved for special occasions. Or am I simply reacting to the population density?  After all, Montana has only 1/100 of the population in a comparable area, small difference….. Or is my ancient inferiority complex creeping up on me again? Who knows what the cause is, the fact remains that I find myself on the defensive again, like a teenager. I didn't really want to stay that young though, good grief! And yet, these odd and purely subjective responses are ridiculously insignificant considering the feeling of belonging to the family, the interesting conversations and experiences with friends and simply the huge amount of fun I am having there. And that's how it will probably always be, fun and joy will alternate with anxious self-doubts and the attempt of consciously asserting my autonomy.
And how does it work in the other direction?