Das Gute an der WirtschaftskriseVor drei Jahren war hier alles noch ganz anders. Die meisten unserer Bekannten hatten sich Groβartiges entweder schon geleistet oder waren dabei es zu planen: luxuriöse An- und Umbauten, neue Autos, Pferde, Boote und andere teure Hobbies. Bozeman wuchs wie nie zuvor, alle paar Monate war ein neues Vorortviertel fertig, die Immobilienpreise stiegen ins astronomische. Wir fühlten uns alle erstaunlich reich und fanden das klasse. Schicke neue Läden und Restaurants machten auf und waren ewig voll. An der 19. Avenue entstand ein überdimensionaler, kastenförmiger Einkaufsmarkt nach dem anderen für alles erdenkliche, gleich in mindestens zweifacher Ausführung: Home Depot und Lowes, Office Max und Staples, Bed Bath and Beyond und Linens and Things. Riesige Läden nur für Olivenöl. Die Parkplätze alle voll, besonders am Wochenende. Die Schulkinder waren stets mit allen neuen Konsumgütern ausgestattet, I-Pod, Handy, Laptop, und Skier gehörten zur Grundausrüstung. Alle Küchen mussten auf einmal Edelstahlgeräte und Granitplatten haben, die Fernseher wurden immer flacher und gröβer, und die Badezimmer an den Elternschlafzimmern konnten es an Gröβe mit den Wohnzimmern aufnehmen. Natürlich brauchte jetzt auch jedes Haus eine altmodische Badewanne mit Füβen und eine Dusche mit sieben strategisch platzierten Duschköpfen. Wenn man kein eigenes Ankleidezimmer besaβ, fühlte man sich irgendwie zu kurz gekommen. Die Zeiten sind jetzt vorbei, Gott sei Dank. Der Konsumrausch war sowieso nie so richtig mein Ding, irgendwie hab' ich mir seit meiner Hippizeit in den 70er Jahren einen Alternativlerblick bewahren können. Die Vorstellung, mein Selbstwertgefühl vom Marketing irgendwelcher Corporations bestimmen zu lassen, fand ich schon immer entwürdigend. Mindestens, seit ich Immanuel Kants Kritk der praktischen Vernunft begriffen hatte (die menschliche Würde ist an die Freiheit und Selbstbestimmung der Vernunft gekoppelt, aber hallo!). Trotzdem machte mich der ganze Rummel auch schon nervös. Plötzlich fielen mir alle möglichen Dinge unangenehm auf, die mich sonst nie gestört hatten: der Blötsch an meinem Auto, wo Eric mit seinem Hintern gedrückt hatte um mich aus einer Schneewehe zu befreien (leider ohne Erfolg), die Katzenkratzschäden an Couch und Sesseln, meine uralte Skiausrüstung, mein minderwertiger Küchenkram, unser mit einer ovalen Spanplatte vergröβerter Esstisch usw. Ich fing schon an, das Thema mit Eric, dem Obersparer, anzuschneiden, als sich plötzlich die Windrichtung um 180 Grad drehte. Die Bauwirtschaft kam mit quietschenden Bremsen zum Stillstand. Da in Bozeman jeder zweite vom Bau lebt, tat sich auch sonst nicht mehr viel. Seitdem reden alle nur noch vom Sparen und vom Versuch, alle möglichen Klamotten auf Ebay oder Craigslist zu liquidieren, vom dicken Pickup zur lange nicht angehabten Winterjacke. Es wird wieder selber gekocht, die Kinder bleiben länger zu Hause wohnen, man geht wandern anstatt einzukaufen. Die Leute verbarrikadieren sich nicht mehr hinter ihren Luxusgegenständen sondern hocken zusammen und lamentieren, helfen sich gegenseitig wieder mehr und freuen sich, dass sie wenigsten gesund sind und an den kleinen Dingen des Lebens. Die Bemerkung: "Das können wir uns nicht leisten" ist nicht nur völlig gesellschaftsfähig geworden sondern wird in den meisten Kreisen mit zufrieden lächelnder Zustimmung und dem Gefühl wohliger Rudelgeborgenheit aufgenommen. Hoffentlich bleibt es eine Weile so. Gestern stand bei Yahoo Nachrichten, dass die Leute sich angeblich am glücklichsten fühlen, wenn es ihnen materiell etwas besser geht als ihren Freunden und Bekannten. Oberflächlicher geht's ja wohl gar nicht. Sobald nämlich der Nachbar sich ein besseres Ding kauft, ist man schon wieder unzufrieden. Bekloppt! Ich weigere mich zu akzeptieren, dass wir unser ganzes Leben neidische Schulkinder bleiben sollen. Lasst euch nicht von den Corporations ausbeuten und verarschen. Besonders hier in den USA ist eines ganz wichtig: den Fernseher auf den Müll schmeiβen! Diese affektierte Scheinwelt mit ihrer hinterlistigen Indoktrination ist verblödend, menschenverachtend und böse und klaut euch die wertvollsten Freitzeitstunden! Höret auf Karoline!
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The Recession's Silver LiningThree years ago, things were completely different around here. Most of our friends had treated themselves with grand things or were planning to: luxurious remodels and additions, new cars, horses, boats and other expensive hobbies. Bozeman grew like never before, a new subdivision sprouted up every few months, real estate prices grew astronomically. We all felt surprisingly rich and thought it was awesome. Trendy new shops and restaurants opened and were always full. One big box store after another opened along 19th Avenue for all sorts of things, usually two of each kind: Home Depot and Lowes, Office Max and Staples, Bed Bath and Beyond and Linens and Things. Huge stores just for olive oil. The parking lots always full, especially on weekends. School kids were always equipped with all the newest consumer goods, I-Pod, cell-phone, laptop and skis were basic necessities. All kitchens had to have stainless steel appliances and Granit countertops, TVs became flatter and larger, the master bathrooms could compete in size with living rooms. Naturally, every house now needed a claw-footed bathtub and a shower with seven strategically placed heads. If you didn't have a walk-in closet, you felt like you missed out. Those times are over now, thank God. I could never really get off on taking part in a buying frenzy, somehow I managed to keep my alternative view of things since my Hippie-days in the seventies. I always thought it was degrading to let my self esteem be determined by corporate marketing. At least since I had understood Immanuel Kant's Critique of Practical Reason (human dignity is tied to the freedom and self-determination of reason, helloho!). Still, the whole frenzy was starting to get to me. Suddenly I began to notice all kinds of things that had never bothered me before: the dent in my car where Eric had pushed with his butt to try and get me unstuck in the snow (unsuccessfully), the cat scratches on the couch and recliners, my ancient skis, my cheap kitchen stuff, the oval particle board enlarging our dining table etc. I even began to broach the subject with Eric, our head-scrooge, when suddenly the wind turned by 180 degrees. Construction came to a screeching halt. Since every other person in Bozeman is a contractor, everything else slowed down as well. Since then, everybody talks about saving and their attempts at liquidating all sorts of stuff on ebay or Craigslist, their big-ass pickup truck or the jacket they hadn't worn in a long time. People cook at home again, kids stay home longer, we go hiking instead of shopping. People no longer barricade themselves behind luxury goods, they hang out together and complain about the bad times, help each other out and appreciate that they are healthy and enjoy the little things. The statement: "We can't afford it" has become socially acceptable and is usually received in smiling agreement and the cozy feeling of safety in the herd. I hope it's going to stay like this for a while. Yesterday I saw on Yahoo News that people are supposedly happiest when they are slightly better off than their peers. Could we be any more shallow? As soon as your neighbor buys a better thing, it's all over. How retarded is that! I refuse to accept that we're supposed to spend our whole lives as jealous school kids. Don't let yourself be conned and exploited by corporations. Especially here in the US one thing is super important: throw out your TV! The phony, affected world and its subliminal indoctrination makes you dumb, it is misogynist and evil and steals the precious hours of your free time! Listen to Karoline!
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