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Wie bist du eigentlich nach Montana gekommen?

Warum lebst du denn so weit weg von Zuhause? Ist das nicht sehr einsam? Vermisst du denn nicht deine Familie? Hast du denn kein Heimweh? Gefällt es dir denn da besser?
Was willst du denn in Montana?
Jeder Auswanderer weiβ die obigen Fragen zu fürchten. Wo soll man überhaupt anfangen/aufhören zu erzählen? Handelt es sich um bewusste Entscheidungen oder hat es sich einfach so ergeben? Meine Lieblingsantwort ist: das ist eine lange Geschichte…. Dann schaue ich nachdenklich in die Ferne und schweige, wobei ich langsam und bedeutungsschwer mit dem Kopf nicke. Meistens reicht das aus, weiteren Nachfragen zu entkommen.
Das Merkwürdige ist, dass ich mich nie als richtige "Auswandererin" gefühlt habe. Meine deutsche Identität wollte ich nie so richtig aufgeben und habe mich auch nie als totale "Amerikanerin" gesehen. Obwohl mir schon lange die Möglichkeit offenstand, habe ich immer noch nicht die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragt.   
Was mache ich also hier?
Erst in letzter Zeit ist mir klar geworden, das ich nicht in erster Linie Auswanderer bin, sondern eher eine Art von 'Aussteiger'. Vor allem ging es mir, wie dem Schimpansen in Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie", darum, einen Ausweg zu finden. Als Mädchen im Nachkriegsdeutschland der 60er und 70er Jahre litt ich unter der panischen Angst, mein Leben in einer stickigen Kleinbürgerexistenz fristen zu müssen. Zwar durfte ich studieren, doch ohne die Erwartung, dass mein Germanistikstudium mir jemals beruflich nutzen würde. Als Mitglied der geburtenstarken Jahrgänge wurde man von vornherein entmutigt, an kreative oder geisteswissenschaftlich ausgerichtete Karrieren zu denken. Gleichzeitig fehlte mir, trotz stark ausgeprägter intellektueller Neugier, das Selbstvertrauen und überhaupt das Zeug dazu, mich in irgendeiner Weise mit Berufen wie Lehrerin, Ӓrztin, Reschtsanwältin zu identifizieren. Als erste, die in meiner Familie Abitur machte und studierte, eröffneten sich mir zwar faszinierende geistige Horizonte, doch war ich im tiefsten Innern davon überzeugt, dass ich nicht in die Welt der höheren Laufbahnen hineingehörte.
Meine bescheuerte Schüchternheit als Kind und junge Frau hat mir dabei noch den Rest gegeben. Ich wusste eigentlich nur eines ganz bestimmt: ich musste einfach weg um mich neu zu erfinden, und zwar allein. Zuerst ging ich zwei Jahre lang nach Marburg Germanistik studieren. Das war am Anfang ganz lustig, doch ging mir bald das hyper-politisierte Studentenleben auf die Nerven. Die meisten meiner Mitstudenten schienen zu irgendwelchen marxistischen, realsozialistischen, anarchistischen, sponti-oder sonstwie Gruppen zu gehören, deren Daseinszweck nur darin bestand sich tägliche Flugblätterschlachten zu liefern und herumzukrakeelen. Ich dachte, die spinnen ja wohl alle. Dann ging ich an die Montana State University in Bozeman, Montana um mein Englisch aufzumöbeln. Da gefiel es mir gleich besser: mehr Natur und weniger Idioten. Es war wirklich eine andere Welt. Unendliche Weiten, Bergwildniss, Licht und Sonne auch im Winter (ein riesen Plus für jemanden mit jahreszeitbedingten Depressionen), einen immer freundlichen Umgangston, eine zwanglose und lockere Lebensart und die Mentalität, dass man arbeitet, um zu leben und nicht umgekehrt. All das zusammengenommen erweckte meine Hoffnung auf ein sonnigeres Leben. Beim ersten Eindruck einer neuen Kultur nimmt man gern nur das Positive wahr—erst später fand ich heraus, wie schwer es ist, ohne die in Deutschland selbstverständlichen sozialen Sicherheiten zu leben, wie wenig Freizeit man hier als Arbeitnehmer hat, wie ungebildet und vorurteilsbeladen groβe Teile der Bevölkerung sind, und wie oberflächlich und unverbindlich der nette Small Talk wirklich ist. Aber all das habe ich in meiner romantischen Verklärung des Neuen und Anderen nicht gesehen. Tja, und dann fand ich eine groβe Gruppe Alternativler, die in den Bergen ihre Häuschen bauten, Hunde und Katzen hatten und ihre Kinder aufzogen. Das wollte ich auch. Natürlich hatte ich zu der Zeit noch keine Ahnung, was mir für Schwierigkeiten bevorstanden, aber ich war jung und blöd und bereit für alles. Und der Rest ist eine noch viel viel längere Geschichte.        

cat and dog

How did you end up in Montana?

Why would you want to live so far away? Isn't it lonely? Don't you miss your family? Don't you get homesick? Do you like it better there?
What is it you want in Montana?
Every emigrant fears those questions. Where do you start? Where do you end? Can you even call it a conscious decision or did it just happen somehow? My favorite answer is: that is a long story…. Then I get that far-away look in my eyes and say nothing while my head is slowly nodding to suggest deep thought. That will hopefully preempt further questions.
Strangely enough, I never really considered myself an "emigrant." I was never ready to give up my German identity and have never really seen myself as an "American." Although I've had the opportunity for a long time now, I still have not applied for American citizenship.  
So what am I doing here?
It became clear to me only recently that I was not primarily an emigrant, but someone who was looking for a new life. My biggest motivation was to find a way out—similar to the chimpanzee in Kafka's "A Report for an Academy." As a girl growing up in the post-war Germany of the 60's and 70's, I suffered from a deep fear of having to spend my life in a stuffy bourgeois existence. Although my parents made it possible for me to attend the university, I did not expect ever to be able to use my degree in German studies. As part of the baby-boomer generation I was forever discouraged to even dream of a career in the humanities or any creative field. At the same time, I was lacking—despite my strong intellectual curiosity—the confidence and the gumption to identify with the professional status of a teacher, doctor, or lawyer. As the first to attend university in my family, I got to explore fascinating new intellectual realms but was convinced in my deepest core that I did not belong to the world of higher-level professions.
My ridiculous shyness as a kid and young woman were not much help either. I only knew one thing for sure: I had to get out of there, alone, to reinvent myself. First I went to Marburg for two years, where I enrolled in German studies. In the beginning I had a good time, but after a while, the hyper-politicized athmosphere started going on my nerves. Most of my fellow students seemed to belong to some sort of socialist, Marxist, or anarchist group whose sole purpose of existence was to engage in daily battles with their flyers and to scream around. I thought they were all a bunch of stupid hypocrits. Then I decided to go to Montana State University in Bozeman in order to jazz up my English. I immediately liked it--more nature, fewer idiots. In fact, I found a different world there. Wide open spaces, mountain wilderness, light and sun even in the winter (a huge plus for someone with seasonal depression), consistent friendliness among strangers, a casual and relaxed lifestyle and the mentality that you work to live and not the other way around. All of this filled me with hope for a sunnier life. On first impression, I noticed primarily the positive side of this new culture—only later I found out how hard it is to live without the social benefits that are taken for granted in Germany, how little free time one has as an employee, how undereducated and prejudiced large parts of the population are, and how superficial and shallow all that friendly small talk usually is. But I romanticized all that was new and different. And then I found this group of alternative life-stylers who build their cabins in the mountains, had dogs and cats and raised their children. That's what I wanted. Naturally I had no idea yet about the difficulties I was to encounter, I was young and stupid and ready for anything. And the rest is an even longer story.       

Montana cabin in the snow

people getting ready to ski

Karoline and baby Liana